KANADA REISE 2016

Ankunft in Montréal

12. Juli 2016

Montréal - Stösschen im Vieux Port

 

Pünktlich um 12 Uhr landet die Air Canada Maschine in Montréal. Eiskalt und kulinarisch bescheiden war's, dafür aber mit Beinfreiheit und sicher gelandet. Immigration zeigt sich ähnlich interessiert an meinem Leben und fragt neugierig wie die Amerikaner: Wir plaudern angeregt, wobei ich scheinbar nichts Falsches sage - ich darf einreisen. Reiseleiter Christian aus Costa Rica holt uns ab. Ins Hotel, und los geht's mit einem kleinen Stadtrundgang.

 

Wo ich bin, ist mir nicht ganz klar. Montréal in Frankreich? Alle reden hier französisch. Heiss isses. Tut gut, auftauen nach dem Flug. An einem Kaffee-Kiosk stellt sich mir Claudia vor: Sie beendet ihre sieben Monate Sabbatical just mit dieser Reise. Kommt aus Hamburg. Wir haben sofort unser Thema! Als der Spaziergang vorbei ist, überredet sie mich, noch runter zum alten Hafen zu gehen, um in einem Hotel mit Dachterrasse einen Cocktail zu trinken. Dass sie keinen Alkohol trinkt, finde ich dann erst später raus. Wir essen unterwegs und finden endlich die 'Auberge du Vieux Port'. Dachterrasse mit Blick auf Hafen mit Parkgaragen-Werft, Museum und Promenade, Cirque du Soleil Zelt, Brücken, Habitat 67 Wohnprojekt, Uhrturm im Wasser, imposante Gebäude und das kreisrunde Überbleibsel der Weltausstellung am anderen Ufer. Welcome to Montréal! Oder besser: Bienvenu à Montréal! 
 

Montréal

13. Juli 2016

Québec

14. Juli 2016


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Québec - Je me souviens
 
Am Sankt-Lorenz-Strom liegt sie, Hauptstadt der Provinz Québec und das Herzstück des französischen Teils von Kanada: die Metropole Québec.

Wir sind hier während eines riesigen Musikfestivals, viele Bühnen, auf einer hat letzte Woche Sting gesungen. Unsere Gruppe bestaunt das Festgelände, auf dem man am frühen Morgen vom Boden essen könnte. Alles sauber, die jungen Leute am Vorabend waren gesittet ... es gibt wohl keinen bzw. kaum Alkohol zu kaufen.

Hoch geht's zur Zitadelle, wo um 10 Uhr die Wachablösung des 22. Regiments stattfindet. Grosses Spektakel auf dem Paradeplatz vor prächtiger Kulisse. Wir blicken bereits auf das Wahrzeichen von Québec, Château Frontenac im Hintergrund. Während wir an einem unendlich schwülen Tag den Schatten unter einem Baum sehr schätzen, marschieren die Jungs mit ihren Bärenfellmützen munter drauflos. Sehr nett anzugucken und zu hören mit schmissiger Musik und Befehlsansagen auf französisch, auch wenn sie die britische Uniform tragen. Und der königliche Geissbock, Maskottchen und ein Geschenk der Queen, schaut stoisch dem Treiben zu. 

Schweissgebadet vom Nichtstun, geht nun die Stadtbesichtigung los. Erst der Blick von oben aufs Wahrzeichen der Stadt, dann runter auf die wunderbaren Holzplanken der Uferpromenade - vor uns liegt es, das Fairmont Hotel Château Frontenac mit seinen vielen Türmen und über 600 Zimmern. Ein grandioser Anblick, und es läuft sich so schön auf dem Holz.

Nach Essenspause mit Crêpe auf einer schattigen Bank geht's runter in die Unterstadt, UNESCO Welterbe. Prächtige Gässchen, schöne Geschäfte. Gerade als Zeit für einen gemütlichen Bummel wäre, fängt's an zu regnen. Christian meint: "Zuflucht suchen in der Kirche!" Und so quetschen wir uns alle in die Kirche, vorne beim Weihwasserbecken, was dem jungen Kirchendiener gar nicht zusagt. Wir dampfen vor uns hin und wollen nur dem Regen dabei zusehen, wie er hoffentlich bald aufhört. Da meint der junge Kirchenmann, er müsse die Kirchentüren nun zuschliessen. Wenn er gedacht hat, er sei uns damit los, weit gefehlt. Wir haben keinen Plan B. Der Regen wird dann aber doch irgendwann schwächer, erste Mutige separieren sich von der Kirchengruppe. Unsereins wagt sich auch raus, wird dann noch ordentlich nass, denn, merke, Holzbalkone, unter die man sich zwischendurch stellt, sind nicht wasserdicht. Das Café rettet, und später kommt die Sonne zurück und bedampft uns wieder.

Heute findet der offizielle Willkommensapero unserer Gruppe statt. Sehr originell, im Park. Nachdem wir bei den eilends zusammengerückten Bänken auch auf gewichtsmässig ausgeglichene Seiten achten, wird's sehr gemütlich. Nette Runde mit Wein und Nüsschen. Die Regenwolken verziehen sich, wir sitzen glücklich auf unseren Bänken, die Menschen von Québec pilgern an uns vorbei zum Konzert von Julien Clerc. 
Und Tausende von Kilometern entfernt ist kurz vorher ein weisser LKW von Monsterhand gesteuert eine südfranzösische Uferpromenade entlang gefahren ... wir werden es nachts im Hotel lesen.

Unser Abend geht heiter-beschwingt weiter bzw. zu Ende. Mit Claudia sowie Sabine und Horst aus Mailand gehen wir die paar Schritte zu einem Hotel mit Drehrestaurant. Im 27. Stock, dem "Ciel", lassen wir's uns gut gehen. Alles dreht sich - schon bevor wir die Flasche Crémant geleert haben. Québec präsentiert sich uns von allen Seiten und in beeindruckender Schönheit. Auch die Turm-Innenseite variiert, wie mir dann doch irgendwann auffällt. Muss blöd für den Kellner sein, wenn sein Tisch grad auf die andere Seite gedreht wurde. Dafür aber auch toll, wenn der Tisch wieder angefahren kommt, schätze ich.
Und so passt es zu diesem für uns in Québec so schönen Tag: Je me souviens. Steht unter anderem auf den Nummernschildern geschrieben, oder auch auf dem Wappen, das oben bei der Zitadelle hängt. Das Motto von Québec, selbstverständlich auf Französisch: Ich erinnere mich. Wir sind in der französischsten Stadt Kanadas, an diesem besonderen französischen Nationalfeiertag. 
Je me souviens. 

Hauptstadt Ottawa

15. Juli 2016

Snapshot Ottawa
 
In Ottawa gehen wir zum Parliament Hill mit den imposanten Parlamentsgebäuden, die nicht nur mich an Westminster Abbey erinnern. Wir sind in der kanadischen Hauptstadt angekommen. Kanada bzw. die "Dominion of Canada" wurde übrigens 1867 gegründet. Sie dürften also nächstes Jahr feiern! 
Gleich nebenan stehen die Statuen der "Fabulous Five" Frauen, die für die Gleichberechtigung eingetreten sind. Auch wenn auf dem Foto nur zwei fabulöse Frauen zu sehen sind, zwischen die ich mich gequetscht hab. 
Dann beeindruckt das nächste Fairmont Hotel: Hier heisst es Château Laurier. Wie gern wären Claudia und ich da rein zum High Tea ... allein, es passt nicht in den Zeitplan. Am Hotel entlang ein UNESCO Welterbe, der Rideau-Kanal. Ottawa liegt nämlich an den Flüssen Ottawa und Rideau. 
Beide Flüsse, den Parliamant Hill sowie die schöne Architektur sieht man wunderbar auf den Fotos, die ich von der Terrasse des Museum of History gemacht hab. Drinnen im Museum stehen riesige indianische Totempfähle, es geht um die Kulturgeschichte der Westküstenindianer bzw. First Nations. 

Toronto

15. Juli 2016

Toronto - New York in Kanada
Die lange Fahrt wird bei den "Thousand Islands", Heimat des gleichnamigen Dressings, unterbrochen. Wir sind am Sankt-Lorenz-Strom, immer noch bzw. wiederum. Und dürfen endlich herrliche Natur bestaunen.
Gemeinsam mit Arabern und Asiaten gehen wir auf eine "Cruise", eine knapp einstündige Bootsfahrt durch das Gebiet der über 1000 Inseln. Ansagen auf Englisch, Französisch, Deutsch und - wahrscheinlich - Mandarin weisen uns auf die am meisten fotografierten Motive hin: Zwei Häuser durch eine kurze Brücke verbunden - eins in Kanada, das andere bereits auf US-amerikanischem Boden. Denn ja, wir sind hier an der Grenze, und die Grenzlinie geht mehrere Tausend Kilometer lang. 
Dann das Schloss, Boldt Castle, das Herr Boldt, Besitzer der Waldorf-Astoria-Kette, seiner Frau auf einer herzförmigen Insel gebaut hat. Seine Frau ist vor Bauende gestorben, er hat nie einen Fuss auf die Insel gesetzt. Ein dankbares Fotomotiv. Mit der Zeit hören wir den Kommentaren gar nicht mehr zu, Die deutsche Stimme hatte ausserdem die Leidenschaft einer Gebrauchsanweisungs-Vorleserin - wie einladend klang da das Englische: Inbrünstig und mit Verve klingt da selbst die Bitte am Ende der Bootstour, doch alles aufzuräumen und nichts ins Wasser zu werfen.
Weiter geht's in Richtung Toronto. Christian verwöhnt uns heute mit zwei Geschichten - am Vormittag der lange Exkurs durch Geschichte und Jahrhunderte, Völker, Religionen und Geographien, über Ursprünge und Zusammenhänge von Rassismus. Ich hätte es gerne aufgezeichnet, eine brillante Zusammenfassung. Und am Nachmittag als Vorbereitung auf die multikulturelle Bevölkerung von Toronto liest er uns eine unterhaltsame Geschichte vor über eine Deutsche, die in jedes kulturelle Fettnäpfchen tappt - scheinbar sind die Kanadier ganz extrem multikulti und tolerant.
Toronto ist überwältigend. Hochhäuser en masse, der riesige CN-Tower, von dem aus wir die Aussicht geniessen wollten, wo leider die Wartezeit eineinhalb Stunden betragen hätte. Nein danke. Wir marschieren und gucken. Das bunte Toronto-Buchstaben-Fotomotiv steht vor dem modernen Rathaus, City Hall. Unsere Tour endet bei einem riesigen Shopping-Center.
Ich nutze die Gelegenheit, ein wenig zu schlendern. Später lande ich im Samstagabend-Passantenverkehr. Es gibt was zu gucken hier. Saturday-Night-Ausgeh-Kleidchen, so viele Hot Pants wie bei uns und sehr viele freie Bäuche. Dazwischen Normalos und wir Touristen halt. 
Die Lichter gehen an, als ich am Royal York Hotel vorbeikomme, das, man mag es fast nicht glauben, zur Fairmont-Kette gehört. Grandioses Treiben. Ich fühle mich ein wenig wie in New York, wie cool, in Toronto zu sein!

Toronto

17. Juli 2016


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Niagarafälle - Duschbad der Gefühle
Sie liegen etwa eineinhalb Stunden Fahrzeit entfernt von Toronto. Die berühmten Wasserfälle. Die Niagarafälle stürzen sich über 50 Meter runter zwischen dem Eriesee und dem Ontariosee. Für mich sind das magische Namen aus ferner Schulzeit ... Ontario, Erie, Huron, Oberer und Michigan ... die grossen Seen. Und da hüpf ich heute rum.

Es sind zwei Wasserfälle, von denen einer auf der US-amerikanischen Seite liegt - die US-Touristen auf den Booten werden später an den blauen Capes zu erkennen sein. Der andere Wasserfall, und zwar - was mich insgeheim freut - der grössere Wasserfall ergiesst sich komplett auf unserem, kanadischem Territorium. Unsere Capes werden rot sein.

Es sieht prächtig aus, bei schönstem Wetter von der Aussichtsplattform die tobenden Wasserfälle, die brandende Gischt, die zu allem entschlossenen Touri-Boote zu betrachten. Das alles vor der Kulisse von Wald und Grün einerseits und von einem Hauch Las Vegas auf der gegenüberliegenden Seite der Wasserfälle, wo sich Wolkenkratzer, ein Aussichtsturm und natürlich ein Kasino ausgebreitet haben. 

Unsere "Hornblower" ist parat. Touri-Horden werden mit den roten Capes ausgerüstet. Ich wechsle von Turnschuhen auf Flipflops und wickle die Hosenbeine hoch - Christian hat uns gewarnt. Eine Polonaise von roten Zipfelmännchen erklimmt das Boot. Die üblichen Warnhinweise ... es geht los!

Zunächst hin zur amerikanischen Seite. Wir verharren in deutlichem Abstand vor dem amerikanischen Niagara. Sehr nett, der leichte Sprühregen tut gut. Harmlos. Und dann nehmen wir Kurs auf den kanadischen Niagara. Eine Wasserwand, was sage ich, Wand, eine Wassermauer direkt vor uns ... und auf Steuerbord auch noch eine ... ach ja, sie heissen auch "Horseshoe bzw. Hufeisen", sie sind eben halbrund ... es wird nass von zwei Seiten! Es wird ziemlich, es wird sehr nass! 

Die Capes waren keine Schau, sondern sind ehrlich sinnvoll - man steht in einer Dusche! Alle drehen sich mit dem Rücken zum Duschkopf. Alle werden nass. Wie Christian gesagt hat, obenrum alles gut, knieabwärts wird's nass. Und weil das so schön ist, verweilt unsere Hornblower dort gefühlt zehn Minuten. Auf die Wasserfälle gucken längst die wenigsten, knipsen kannste eh nicht. Es geht um das Erlebnis. Die Dusche. Deshalb parken wir hier. Ich will gar nicht meckern, denn sie machen wirklich das Beste aus den Wasserfällen, gute Vermarktung. Die Wasserdusche, die Wasserwand, das prägt sich ein. Starke Sinneswahrnehmungen. Es ist gut, es ist witzig. Und sehr gerne würde ich mir den Film angucken, den ein Touri auf dem Oberdeck gedreht hat. Glaube, er hat es geschafft, den Selfiestick die ganze Zeit mit ausgestrecktem Arm hochzuhalten und das Schauspiel aufzunehmen. Profi! Zum Schluss bläst übrigens ein Wind, als wolle er uns nach der Dusche trockenblasen. Komme mir vor wie ein Auto in der Waschanlage. 

Anschliessend laufen wir die Promenade entlang hoch zum Beginn des kanadischen Wasserfalls. Hier sind wir dem Niagara ganz nah, wie er seinen Weg runter geht, an der Klippe das helle, das blaue, dieses wunderbar-kraftvolle Wasser. Bevor es sich unbändig in die Tiefe stürzt. Das ist fast das stärkste Bild. Ich denke an Iguazú. Es sind dies die besonderen Momente für mich - das Wasser, wenn es seine Energie ändert. Und man wird gar nicht nass hier oben. Aber vielleicht muss man manchmal ein wenig nass werden, um festzustellen, wie besonders auch trockene Momente sein können? 

Durch die kanadische Eiswein-Region geht es zum malerisch-unamerikanisch-unkanadischen Ort Niagara-on-the-Lake. Schmucke Holzhäuser, augenverwöhnende Pflanzen vor den Häusern, am Strassenrand gepflegte Beete, schnuckelige Geschäfte. Hier möchte man verweilen. Entschleunigt, renaturiert, in eine andere Zeit versetzt. Noch ein kurzer Spaziergang zum See, endlich bin ich ihm nahe, dem Ontariosee. Hier mündet der gute Niagara in den See.

Sauerstofftrunken haben wir die Energie getankt für den Tagesabschluss wieder zurück in Toronto: Christian hat eine Tour der architektonisch wertvollen Gebäude im Financial District angeboten. Und so bestaunen wir das Gooderham Building (Flatiron Building), dreieckig aus rotem Backstein, den Pollock Square des spanischen Architekten Santiago Callatrava, die goldigen Fenster der Royal Bank of Canada. Die Hockey Hall of Fame - wenn auch architektonisch weniger bedeutend. Hochhäuser von Mies van der Rohe.

Wieder ein Tag mit so vielen Eindrücken. Ohne diesen Blog hätte ich keine Chance, das zu verarbeiten. Morgen geht's weiter, gen Westen: Wir fliegen nach Vancouver!

Vancouver

18. Juli 2016

Abschied von Toronto
CN Tower, mit 553 Metern drei Jahrzehnte lang das höchste frei stehende Gebäude der Welt. Das Wahrzeichen von Toronto. Höchster Fernsehturm.
Mit nach vorne verglastem Fahrstuhl geht's in einem Affenzahn hoch. Ich atme tief und guck nach oben. Zum Glück ist auf der Aussichtsplattform alles zu und verglast. Wenn ich vorne ans Fenster gehe, halte ich mich aber fest. Ich spüre, wie es wackelt, gewöhne mich dran. Grandioser 360 Grad Abschied von Toronto! 
Der Flug nach Vancouver geht fünf Stunden. Wir sind gegenüber Toronto nochmals drei Stunden zurück, neun Stunden Zeitdifferenz nach Deutschland bzw. zur Schweiz. Welch ein riesiges Land!
Unterbringung im Fairmont Hotel Vancouver. Auch wir dürfen mal. Um uns rum edle Designerboutiquen. Doch im Moment zählt nur das Bett im Fairmont!

Und hier noch Karten: 

Die erste zeigt Kanadas Osten, wo die Reise nach Montréal, Québec, Ottawa und Toronto ging. 
Die zweite bildet ganz Kanada ab, und ich bin nun im Westen gelandet.

Vancouver

19. Juli 2016

Vancouver - Von Schwarz-Weiss auf Farbe
Sitze im ersten Stock des Water Street Café in einer Lounge, mitten in Gastown, ein Glas Rotwein nach einem schönen Tag, nach gutem Essen, nach meinem ersten Glas kanadischen Weissweins (Chardonnay - sehr gut). Der Ober hatte mir, dem Single, den schönsten freien Platz unten im Restaurant angeboten. Mein Kellner ist wirklich nett, ich durfte den Chardonnay sogar vorher probieren. Was sich alles vorher ereignet hat, werde ich erzählen. Ich habe Grund, dankbar auf einen schönen Tag zurückzublicken.
Der Morgen beginnt grau - zum ersten Mal während der Reise ist es bedeckt. Stadterkundung Vancouver - es geht los in Chinatown. Wir gehen durch eine kleine Oase, den Dr. Sun Yat-Sen Park. Vancouver hat die grösste Chinatown nach San Francisco. Vor allem Hongkong-Chinesen haben sich in Vancouver angesiedelt. Verstärkt nach der Rückgabe von Hongkong 1997. Ich kann das rein subjektiv bestätigen - meine Ex-Kollegin Nancy aus Hongkong ist regelmässig mit ihrer Familie nach Vancouver zu den Verwandten geflogen. Vancouver und die Asiaten. Laut Christian ist der explodierende Immobilienmarkt in der Boomtown Vancouver fest in chinesischer Hand.
Es geht weiter nach Gastown. Benannt nach dem Kneipenwirt und Mann mit grosser Klappe "Gassy Jack". Wir erwiesen ihm die Ehre an seiner Statue; das Viertel ist gar schnuckelig. Cafés, Bars, kleine Geschäfte. Man soll nicht vergleichen ... aber wenn man halt an Greenwich Village denkt? Mir gefallen diese Blumenampeln so gut, die überall hängen.
Wir kommen zu einer speziellen Uhr: Der "Steam Clock" von Vancouver. Die Uhr dampft! Alle 15 Minuten lässt sie Dampf ab. Viertelstündlich erklingt dazu nur eine kurze Melodie - zur vollen Stunde dampft sie ein Lied. Köstlich! Am Morgen höre ich es kurz, am Abend in meinem Water Street Café komme ich in den Volle-Stunden-Melodie-Genuss. Ach, wie schön können doch solch banale Dinge sein. In einem Internetbericht steht, in diesem britisch anmutenden Viertel Gastown fehlen eigentlich nur noch Kutschen. Das stimmt. Aber passt es nicht dazu, dass abends das Auto fernab jeglichen Zebrastreifens einfach anhalten wird, um mich über die Strasse gehen zu lassen, einfach so aus Höflichkeit?
Nächste Station ist Canada Place, ein Pavillon aus (ich glaube) zwei Mal fünf Segeln, der von der Weltausstellung 1986 in Vancouver geblieben ist und heute das Messe- und Kongresszentrum beherbergt. Dahinter Canada Convention Center, riesiges Gebäude mit Restaurants und Geschäften. Promenade und Aussichtsterrasse. Schön, aber irgendwas fehlt doch? Ich habe Fotos am Morgen ohne Sonne und am Abend mit Sonne gemacht ...
Und dann entdecken wir die Harbour Air Seaplanes. Hier hätte ich den Tag verbringen können. Ein stetiges Starten und Landen von Wasserflugzeugen. 
Zum Abschluss noch das zwar erloschene, dafür aber von ugandischen Softballerinnen eingenommene olympische Feuer. Entzündet worden ist die Flamme der Olympischen Spiele von 2010 von der kanadischen Legende Wayne Gretzky. Sportart? Die, die bei uns "Eis" im Namen hat. Kanadischer Nationalsport. Vielleicht am nächsten an der kanadischen Identität. Eishockey.
Wir fahren zum Stanley Park. Naherholungsgebiet der Vancouver. Heilig. Schöner Blick von dort auf die Skyline von Vancouveraner. Die Lions Head Bridge. Totempfähle. Unser Ausflug endet am Granville Island Market. Eine überdachte Markthalle. Shops, Restaurants. Und die schönsten Silos der Welt, gestaltet von Künstlerhand.
Der Nachmittag ist frei. Und das ist ein Geschenk. Die erste längere Freizeit seit einer Woche! Kein Zeitplan. Kein Programm. Keine Schritt-Tempo-Anpassung. Man ist versucht, vor Freude mal kurz zu jubeln! Und so lasse ich es gemächlich angehen. Im Drugstore nebenan Wundercreme kaufen, um die Spuren von Jetlag und Bloggernächten in Zaum zu halten. Bei Coach gegenüber eine sehr schöne Tasche angefasst, nicht gekauft. Der Sonne entgegen nochmal runter zum Pazifik und Farbfotos gemacht. Beschwingt in Richtung Gastown.
War es bewusst oder unterbewusst. Ich finde mich in diesem Schuhgeschäft wieder, das Christian uns heut Morgen gezeigt hat. John Fluevog. Schuhdesigner. Vintage-Look Schuhe. Ausverkauf. Eigentlich wollte ich nur ein Foto für Andi machen ... dann tauchen da diese Schuhe auf, die ähnlich meiner Fussform sind: Vorne breit. Alles etwas schräg. Farbig. Sehr speziell. Sie wollen an meinen Fuss. Sie gelangen an meinen Fuss. Sie passen. Ich höre Andi sagen - wie damals in Amsterdam: "Betti, diese Schuhe sind ideal für Dich. Bequem und sehen gut aus." 
Meine Stimme fragt nochmals nach dem Preis. Er ist immer noch runtergesetzt. Immer noch kein Schnäppchen. Warum müssen jetzt genau diese zwei anderen Frauen sich lobend über mein Schuhwerk äussern? Meine Stimme fragt verzweifelt nach irgendwelchen Tax-Free-Rabatten ... erfolglos. Soll ich ... soll ich nicht? Der Koffer ist schon schwer genug. Aber die Schuhe sind wirklich besonders. Und sie passen. Handgefertigt. Ich gehe ins Shoppingcenter WLAN (hat hier jedes Geschäft) und berechne den Umrechnungskurs, als ob mein Kopfrechnen das nicht längst hingekriegt hätte. Also gut. Coole Schuhe aus Kanada. ... der langsame Gang zur Kasse ... beim Betrag höre ich wohl nicht recht ... anders als auf dem Etikett ausgewiesen. Was ist hier los? 
Oh yeah, wir sind in Kanada. Die Preise sind immer netto. Elende Rechnerei. Hier kamen noch 12 Prozent Mehrwertsteuer drauf. Ich schlucke. Ich äussere (unkanadisch) Unmut. Ich zücke die Kreditkarte. Ich tu es. Mögen mir diese Schuhe viel Freude bereiten, lange halten und mich an einen erfüllten Tag zu Vancouver erinnern!

Victoria, Vancouver Island

20. Juli 2016

Vancouver Island - What a wonderful Word 
Mit der Fähre geht's in etwa neunzig Minuten auf Vancouver Island, die Traumdestination im Pazifik. Strahlender Sonnenschein während der Fährfahrt, Sonne auf der Insel. Meer, schöne Häuser, Natur. Wir nähern uns der Hauptstadt der Provinz British Columbia, Victoria, ohne Eile mit dem Bus. 
Erster Stopp mit Blick aufs Meer, Holz, Felsen. Es riecht nach Fisch. Da erklingt Musik - ein wenig schräge Musik. Neben dem Aussichtsparkplatz, am Strand, steht ein Klavier. Gespielt wird daran von zwei Damen und einem kleinen Bub. Wir sind magisch angezogen von der ungewöhnlichen Darbietung. Der Bub geht dann, es stellt sich heraus, dass die zwei Touristinnen wirklich spielen können. 
Eine Dame spielt Chopin an, bricht ab, weil die Tasten des Wind-und-Wetter-Klaviers natürlich mühsam zu bedienen sind. Wir bitten sie, weiterzuspielen. Ihre Freundin kommt mit Noten, sie spielen gemeinsam kurz, suchen dann nach einem passenden Lied. Ihre Wahl fällt auf "What a wonderful world", und sie singen dazu. Und ich singe mit. Weil mir gerade sehr danach ist zu singen. Ich summe mit, wo ich die Textpassagen nicht kenne. Die, die ich kenne, singe ich laut. Und ich geniesse es, das wagemutige, laute Singen vor Mithörern. Eine der Klavierspielerinnen guckt mich zwischendurch ermunternd an. Welch eine erfüllende spontane Performance. Wir klatschen. Die Klavierspielerinnen gehen zum Auto. Ich klettere staunend in den Bus. Die Kunsthistorikerin der Reisegruppe wird es am nächsten Morgen treffend bezeichnen mit 'surreal'. 
Christian macht einen Stadtrundgang mit uns durch Victoria. Ich esse mit Claudia in einem Restaurant mit herrlichem Blick auf den Hafen und die Wasserflugzeuge. Wonderful World hier auf Vancouver Island.
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What a wonderful world
Video, das eine Teilnehmerin gefilmt hat, während wir gesungen haben
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Victoria, Vancouver Island

21. Juli 2016

In und um Victoria - Whalewatching
Vom Frühstücksraum aus Blick auf die schneebedeckten Berge der Olympic Mountains, die bereits in den USA liegen. Wir beginnen unser Programm mit einem Marsch durch das am 'Inner Harbor' gelegene ehrwürdige Hotel Fairmont Empress - wo in einem Edel-Souvenir-Laden eine Miniatur-Queen freundlich winkend das Rose Garden Teeservice bewirbt.
Unser Ziel ist das Parlament von B.C., von British Columbia. Imposantes Gebäude, tolles Wappen, das u.a. den Unionjack, in Blau die Wellen des Pazifik, in Weiss den Schnee der Rocky Mountains symbolisiert. Der gekrönte Löwe ganz oben steht für Ihre Majestät, Königin Elisabeth II. Ja, die gerade noch winkende Dame ist auch die Königin von Kanada, Queen Elizabeth, das Staatsoberhaupt. 
Weiter ins sehr anschaulich und schön gestaltete Royal British Columbia Museum, wo es um die Naturgeschichte im allgemeinen geht - deshalb das lebensgrosse Mammut - sowie um die Ureinwohner Kanadas ("First Nations") und die Entstehung und Entwicklung von British Columbia im besonderen. Die Entstehungsgeschichte Kanadas scheint heikel, ich werde mich noch damit beschäftigen.
Jetzt erst mal frei, und ich spaziere mit Claudia zu Fisherman's Wharf. Unterwegs amerikanische Oldtimer, hier muss ein Treffen sein - ein Concours, wer hätte das gedacht! Unser Ziel st ein schnuckeliger Ort am Wasser, wo es bunte Hausboote gibt, die allerlei Handwerkswaren und Souvenirs anbieten, sehr malerisch, und einfache Ess-Stände gibt's auch.
Der Nachmittag steht zur freien Verfügung mit klarer Empfehlung zum Whalewatching - was ich mir nicht zweimal sagen lasse. Die 'Five Star' bringt uns raus aus den Vancouver Island Gewässern und nimmt Kurs auf den offenen Pazifik. Unser Boot fasst vielleicht fünfzig Leute, oben im Freien war kein Platz mehr. Jetzt bin ich froh, dass ich unten drinnen sitze, denn es ist trotz Sonne und blauem Himmel ordentlich kalt. Und wir schippern auch erst mal eine Stunde, ohne dass sich im Wasser sichtbar was tut. 
Der Captain drosselt die Geschwindigkeit, das Motorengeräusch wird leiser, die Leute bzw. 'wir' stürzen nach draussen. Wir gucken in die Richtung, in die alle gucken. Kamera an bei mir, iPhone an bei vielen andern ... gespannte Ruhe und 'Action' - da isser, der Wal! Ich sehe ihn mit blossen Augen, durch die Kamera sehe ich rein gar nix, was an der Sonne, aber auch an meinen Sonnenbrillengläsern ('Ferne') liegen dürfte. Ich drücke ab. Ich drücke wild ab. Immer, wenn ich das verzögerte Foto meiner Kamera wahrnehme, sehe ich in live, wie ein bis zwei Wale munter drauflos schwimmen. Allein, die Kamera verzögert es, kommt gar nicht mit. Auf die Idee, das schnellere iPhone zu benutzen, komme ich erst sehr viel später, wenn die Wale so weit weg sind, dass der Zoom des iPhones es schlicht nicht packt. Oh Tücken der Technik! Eine gute Orientierungshilfe über die Weiten des Ozeans sind mir dann aber die Kollegen Fotografen: Wal rechts von der Hand meines Vordermanns - das hilft! 
Und welch freudige Überraschung, wenn ich erst morgen beim Ranzoomen sehen werde, dass ich tatsächlich zwei Wale drauf hab, der Buckel des einen ist deutlich zu erkennen. 
Ich liebe es, Wale zu sehen. Wenn die riesigen Tiere durchs Wasser gleiten und klar wird, wie gigantisch dieses Aquarium ist. Das berührt mich. Hier auf dem Boot ist's schön, wir sind den Walen nahe. Mir geht nur ein wenig das Wasser-Erlebnis flöten, weil ich meist drin bin. Draussen ist's einfach zu kalt, auch wenn sie oben jetzt Anoraks verteilen. Wir machen noch drei kurze Stopps, die Wale sind recht weit weg, und unser Captain gibt uns nicht mehr so viel Zeit. Nach drei Stunden laufen wir wieder im Hafen ein. Der Crew-Sprecher will in fünf Tagen seine Wal-Fotos hochladen. Wir können sie dann nutzen. Klingt nach einer cleveren Idee für Klickraten - ich bin gespannt (und freu mich drauf). 
Der wahrscheinlich schönste Platz nach der Tour ist auf der Terrasse des Fairmont. Hier noch ein Glas "Blue Mountain" aus British Columbia und die letzten Stunden in Victoria geniessen. 

Whistler

22. Juli 2016

Von Victoria nach Whistler - Transition Day, Strange Day 

 
(Fotos ausnahmsweise am Ende)
 
Christian hat den Tag angekündigt als 'Transition Day' zwischen den Städten und der Natur, die jetzt auf unserer Reise ansteht. Er hat auch gesagt, heute würde in dem Sinn nichts 'passieren'. Es stimmt, in Kanada ist nichts passiert. 
Aber in München. Terror oder Amok. Ich lese es im Bus kurz bevor wir mit der Fähre wieder den Rückweg antreten, zurück von Vancouver Island aufs kanadische Festland. Die Fährfahrt vergeht mit Internet lesen und der traurigen Feststellung, dass das Grauen nun bei uns angekommen ist. 
Wir fahren zum 'Sea to Sky' Highway, der uns hoch in den berühmten Austragungsort der Ski-Wettkämpfe der olympischen Winterspiele von 2010 führt, nach Whistler. Unterwegs bieten sich herrliche Ausblicke aufs Meer. Wir machen Halt an zwei Wasserfällen - Shannon Falls und Brandywine Falls. Tut gut, die Natur zu sehen und zu riechen. 
Ankunft im olympischen Whistler am Nachmittag. Ein typischer, aber schöner Wintersportort - Holzhäuser, Markensportartikel-Geschäfte, Restaurants, Starbucks und Kneipen, Bodyshop und Occitane - und dann schleppt mich Claudia zu ihrer kanadischen Lieblingskette 'Pure Bread', wo man allein vom Angucken der Köstlichkeiten zwei Kilo zulegt ...
Die Stadt ist übrigens voller durchtrainierter, grösstenteils junger Körper, denn an diesem Wochenende findet in Whistler ein Triathlon statt. Und Mountainbiker begegnen einem hier auch - sie fahren bevorzugt die Piste runter. Sollen sie doch, mich stört es nicht. Wenn wir hier länger bleiben würden, würde ich ebenfalls passende Beschäftigungen finden - tendenziell Massage, Spa, Shopping und Leute beobachten, langweilig wird's hier nicht.

Clearwater

23. Juli 2015

Von Whistler nach Clearwater - Winnetous kanadische Brüder
Und wir sind in der Natur angekommen. Heute 400 Kilometer durch die 'Coastal Mountains' - immer in Richtung Rocky Mountains.
Ich wäre gerne noch in Whistler geblieben, doch am Samstagmorgen um 8 Uhr geht der Roadtrip weiter. Ich darf gar nicht weiter an Ausschlafen, gemütlich frühstücken und den Tag auf sich wirken lassen denken ... in dieser Herrgottsfrühe bin ich kein Fan von Studienreisen. 
Es ist relativ grau und kühl an unserem ersten Stopp, dem Duffy Lake. Doch die Sonne lässt uns nicht im Stich und scheint ab Lillooet, bezaubernder Stopp danach am Seton Lake. Wir fahren durch 'First Nations' Gebiet, wenig besiedelt, eher einfache Häuser. Viele Wohnwagen sind auf den Grundstücken zu sehen. Die Landschaft wird karger, aber gewaltig. Wir fahren lang am Fraser River entlang. Wir hören Geschichten der ersten Einwanderer, Glücksritter und vom Bau der Eisenbahn. Ich bin Winnetou, Old Shatterhand und Sam Hawkins sehr nahe!
Unser Mittagsziel ist die Hat Creek Ranch, eine sehenswerte original-restaurierte Raststätte aus der Einwandererzeit, teils von 1861. Hier wird die 'First Nations' Kultur vermittelt sowie ein Museum quasi belebt. Die Kutsche nimmt gerne müde, deutsche Reisende auf, der Planwagen steht malerisch rum, eine Hufschmiedin in historischem Gewand zeigt ihr Handwerk. Das Rasthaus beherbergt verschiedene Räume, die mit Liebe zum Detail hergerichtet sind.
Doch Star des Tages ist Darcy, Indianer vom Stamm der Shuswap und unser Guide. Er erklärt uns, wie seine Lederkleidung hergestellt und gefärbt wurde, zeigt uns die Kochstelle aus Lavasteinen unter der Erde und das Vorratslager. Zum Schluss gehen wir heftig gebückt durch den Gang ins Zelt und sehen, wie hier gewohnt wurde. 
Auf eine Frage aus unserer Gruppe erzählt Darcy, dass er mit 20 Jahren das älteste von acht Geschwistern sei. Seine Mutter sei 38 und habe gerade wieder ein Baby gekriegt. Er hoffe, das sei's dann gewesen mit den Geschwisterchen. Zeit für eine Fragestunde mit ihm, über das heutige Leben seines Stamms, bleibt leider keine mehr. 
Weiter geht's auf der Strasse. Letzter Stopp an einem See mit sagenhaftem Ausblick, dem Kamloops Lake. Ich stehe lang oben an einem Aussichtspunkt und lasse die Weite auf mich wirken. Ankunft in Clearwater am späten Nachmittag. 

Jasper

24. Juli 2016

Jasper National Park - In den Rocky Mountains
Von Clearwater aus sind wir nach etwa 200 Kilometern in den Rocky Mountains. Längst ist alles weit und riesig geworden mit Flüssen, Seen und Wäldern, saftigen Wiesen, einem besonderen Farbspiel von Sonne und Wasser. Nun sehen wir langsam das Gebirge. Im Mount Robson Park wandern wir ein wunderschönes Stück entlang des Robson Rivers. Der Weg beginnt mit einem heute leider wolkenverhangenen Blick auf den höchsten Berg der Rockies, den Mount Robson (knapp 4000 Meter). Dann tut's so gut, nach der ganzen Fahrerei der letzten Tage mal ein wenig zu laufen.
 
Wir verlassen British Columbia und bereisen nun Alberta. Neue Zeitzone, eine Stunde näher am Osten.
Am Nachmittag steht eine angekündigt schwindelerregende Seilbahnfahrt mit dem Sky Train hoch auf den Whistlers an. Herrliches Wetter, Sonnenschein - oben soll es allerdings kühle 11 Grad kalt sein. Allein, wir kommen nicht in den Höhengenuss. Der Wind ist zu stark, Gondelbetrieb eingestellt. Na, besser so, als oben im Schwindelbereich zu verharren und verzweifelt auf windfreie Rückfahrt zu hoffen.
Christian bläst die Warterei am Fuss des Berges ab. Wir gehen noch kurz in den Ort Jasper, der unspektakulär daherkommt - bis auf die Bergkulisse rechts und links der stark befahrenen Hauptstrasse. Ankunft im Holzhüttendorf mitten im Jasper National Park, wunderschön gelegen am Althabasca River. Welch eine Wohltat, dass wir hier zwei Nächte bleiben.
 

Jasper

25. Juli 2016

Jasper National Park - Kanada zum Verlieben
Die Fotos des Tages - so ich sie mal ins Netz kriege - sagen mehr als viele Worte. Allein der heutige Tag war die Kanada-Reise wert. 
Erläuterungen zu den Bildern des Tages:
- Blick von der Hotelanlage auf den Athabasca River
- Grizzly am Strassenrand (besseres Bild folgt)
- Koyote am Strassenrand
- Maligne Canyon Wanderung
- Medicine Lake 
- Weisskopfseeadler 
- Maligne Lake mit Bootsfahrt zu Spirit Island, Blick auf Rocky-Giganten und Gletscher
- Wapiti-Hirsch am Strassenrand
- Schwarzbärin im Beerengebüsch - die beiden Bärenkinder sieht man leider nicht
- Mount Whistlers - heute hat die Sky Tram Fahrt stattfinden können
- Murmeltiere
Der Maligne Lake ist Kanadas grösster und berühmtester Gletschersee, 1674 Meter über Meeresspiegel. Spirit Island, die Halbinsel, die man nach der Bootsfahrt erreicht, ist das wohl am meisten fotografierte Motiv Kanadas. 
Der Tag hat sich angefühlt wie eine Tiersafari zwischen Naturwundern. Wir haben vier Mal Bären gesehen, darunter ein Grizzly und eine Bärin mit Kindern. Sowas hat Christian noch auf keiner seiner Kanada-Reisen erlebt.

Lake Louise

26. Juli 2016

Von Jasper nach Lake Louise (Banff National Park) - Icefields Parkway, Strasse der Wunder
Alles, was ich sage, mag platt klingen. Aber heute haben wir gefühlt im 30-Minuten-Rhythmus traumhaft schöne Natur gesehen. Von Wunder zu Wunder. Gesegnet mit Sonnenschein. Staunend. Ehrfürchtig. Tief berührt. 
Zu den Bildern des Tages:
- Athabasca Falls im Jasper National Park (Annette, nein, wir sind nicht allein unterwegs ...)
- Irgendwo kurz nach Jasper
- Ich grinsend vor dem Stutfield Glacier, noch im Jasper National Park - wir sind auf einer der Traumstrassen der Welt von Jasper nach Lake Louise, dem Icefields Parkway, Strasse der Gletscher
- Athabasca Glacier: Wir laufen hoch zum Gletscher (gehört zum Columbia Icefield) - es weht ordentlich Wind, deshalb meine schicke Kopfbedeckung (multifunktionales Tuch in Jasper erstanden)
- Auf dem Icefields Parkway, mittlerweile im Banff National Park: Mir stockt fast der Atem, wir fahren eine Strasse der Wunder - teils fühlt es sich an, wie durch den Grand Canyon zu fahren ... Elemente von Monument Valley zu sehen ... in einer Landschaft, die so unwirklich schön aussieht wie in Jurassic Park. Ehrfurcht beschreibt das Gefühl am besten. Ich bin tief berührt. Atemberaubend ist die Kurve 'the big bend'!
- Picknick am Mittag mit Blick auf Saskatchewan River Crossing
- Türkisfarbener Peyto Lake
- Spaziergang am Bow Lake
- Von Narurschönheit erschöpft am Lake Louise mit dem berühmten Eisenbahnhotel ... genau, ein Fairmont Hotel

Radium Hot Springs

27. Juli 2016

Emerald heisst Smaragd - Emerald Lake
Tagelang in den Parks waren wir tagsüber komplett ohne Netz. Ein grosses Land, Kanada. In den Hotels gestern und heut dann sehr gutes WLAN, aber meine Website will scheinbar keine Bilder mehr aufnehmen. Ich hoffe trotzdem, dass es noch klappt. Probiere es ständig und hab Jimdo angefragt. Von gestern fehlen noch sehr schöne Fotos. Heute passt es, dass ich nur wenige Fotos habe:
Fahrt vom Lake Luise (Banff National Park) in den Yoho National Park. Hier muss der Pass mit dem witzigen Namen erwähnt werden - Kicking Horse Pass - wo die Canadian Pacific Railway 1881 die Idee hatte, eine spektakuläre Bahnstrecke am Hang zu bauen. Just an dieser Stelle war der Weg damals nämlich so übel, dass der schottisch-neuseeländische Geologe und Forscher James Hector von seinem Pferd getreten wurde - namensgebend für den Fluss und den Pass. 
Die Eisenbahn jedenfalls schlängelt sich in Serpentinen die Rockies runter und hat so viele Güterwaggons, dass es aussieht, als würde eine gigantische Schlange den Berg runter gleiten. Ach ja, das besagte Stück Rocky Mountain ist so bewaldet, dass ich das Foto mit den gesprenkelten Punkten der Eisenbahn keinem zumuten will. Aber ein kleiner Event für uns war's, das Bahn-Geschlängel zwischen den Bäumen zu verfolgen.
Wir sind im Yoho National Park angekommen und nähern uns dem Juwel des Parks: Emerald Lake. Hier braucht man keine Namenserklärung. Eventuell aber eine Übersetzungshilfe: Emerald heisst Smaragd. 
Entweder als Ausgleich für den gestern am Ende fast nicht mehr aufnehmbaren Panorama-Reigen - oder zur Erholung nach Feueralarm-ohne-Grund-Nacht - haben wir heute am See Freizeit. Ungewohnt. Einige von uns gehen paddeln - wunderbar malerisch. Andere laufen um den Emerald. Ich hänge sehr gerne ab in der Sonne am See und mache einen kurzen Abstecher zum schnuckeligen Gift-Shop, wo ich schweren Herzens auf jeglichen Kitsch verzichte. Erstehe dafür meine ersten Ahornsirup-Kekse. Längst haben die Kekse unsere Gruppe erobert. Süss mit leicht bitterem Nachgeschmack, sehr lecker. 
Entlang des Columbia Rivers geht's dann in Richtung Kootenay National Park. Christian legt ' Bachvariationen' des Kanadiers Glenn Gould auf. Ich geniesse den Fluss, Wälder, Wiesen und kleine Seen. Und die Musik. Die Rockies verabschieden sich langsam. Keine Frage, ja, ich werde sie vermissen.
Unser Hotel ist in Radium Hot Springs. Seltsamer Name - kommt von den leicht radioaktiven Quellen im Ort, in denen die Leute baden. Sehen wir aber nicht, sondern erhalten eine Einführung in das Gebiet von einer lokalen Umweltschützerin. Geht leider ziemlich an mir vorbei, weil jetzt eine gewisse Müdigkeit kommt - nach dem Hammerprogramm der letzten zwei Tage sicher nachvollziehbar. Wer ausserdem nicht auf die Idee kommt, sich im lokalen Feuchtgebiet des Columbia gegen Mücken zu wappnen, wird mit zwei Stichen beglückt ... ich. Dazu haben die Erkältungsviren der Reisegruppe (Klimaanlagen und zugige Bootsfahrten) nicht vor mir halt gemacht. 
Morgen geht's nochmal in den Banff - ich freu mich. 

Calgary

28. Juli 2016

Banff und weiter nach Calgary
Es geht weiter in Richtung Banff mit vielen Zwischenstopps. Noch sind wir im Kootenay National Park, dem dritten der UNESCO geschützten Parks.
- Fotostopp im Kootenay Valley mit Nebel
- Spaziergang entlang des Marble River, der hier einen wunderbaren Canyon (Marble Falls) gebildet hat; Streifenhörnchen entzücken uns
- Wir verlassen nun British Columbia endgültig und bleiben in Alberta, 'Wild Rose Country'
- Stopp am Castle Mountain, der sich prächtig und burgenähnlich vor uns erstreckt
- Gleich davor eine Brücke, auf der Adler nisten; die Mutter füttert ihre drei Jungen
- Sulphur Mountain (Hausberg von Banff) und ein neugieriges Erdmännchen 
- Nobelort Banff mit dem ersten Eisenbahnhotel überhaupt ( ... Fairmont ... Banff Springs Hotel), das prächtig im Wald und über der Stadt thront
- Hoodoo Gesteinsformationen ganz links unten im Bild
- Skyline von Calgary, Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1988, etwa 1.1 Mio. Einwohner; letzte Station unserer Reise

Calgary

29. Juli 2016

Letzter kompletter Tag in Kanada - Calgary und Dino-Museum

 

Wir machen eine kurze Stadtbesichtigung und schauen uns dann die kanadische Cowboy-Hauptstadt von oben an. Vom Calgary Tower aus sehen wir das Sportstadion in Sattelform, die Sprungschanzen der Olympischen Spiele von 1988 und ... bereits in weiter Ferne ... die Rockies.

 

Die Fotos mit Personen zeigen übrigens deutlich: fotogen-freundliche Polizisten in Calgary, Claudia unermüdlich in kurzen Hosen, ich vermummt wie im Herbst.

 

Dann eine längere Fahrt raus aus Calgary und durch die Prärie um Dinosaurier-Museum in Drumheller, wohl DIE Saurier-Fundstätte, ein weiteres tolles Museum. Ich war halt noch nie ein grosser Dino-Fan. 

 

Das gemeinsame Abendessen in der Gruppe schliesst unsere Kanada-Reise ab. Morgen geht's zurück.

Zürich

31. Juli 2016

Auf Wiedersehen Kanada!

 

An unserem Abflugtag gestern war morgens noch Zeit zum Ausschlafen - für Leute wie mich - oder auch zum Shoppen.

 

Dann ging's früh zum Flughafen für den Flug geplant um 18 h. Dunkler und dunkler wurde es, und dann kam der Hagel. Riesen-Hagelkörner donnerten gegen den Flieger, während wir einstiegen. Zwischen der Gangway und dem Flugzeug war ein minimaler Spalt frei, doch er reichte aus, um die Begrüssungs-Stewardess nass zu machen und sie in einer Pfütze stehen zu lassen, die sich stetig vergrösserte. Doch sie lächelte freundlich weiter, nachdem sie Putz-Hilfe angefordert hatte. Den Flug um mehr als eine Stunde verzögert hat dann nicht der Hagel, sondern Blitz und Donner, während derer das Gepäck nicht geladen werden durfte. Gerade noch innerhalb der der Crew erlaubten Zeit durften wir dann starten und kamen wohlbehalten, mehr oder weniger tiefgekühlt, in Frankfurt an.

 

Ich blicke zurück auf eine beeindruckende Reise. Auf interessante Städte. Auf Weite und Grösse. Auf eine Natur, deren Schönheit mich zum Jauchzen gebracht hat. Und zum still und ehrfürchtig sein.